T-Online schaltet Navigationshilfe

Internet   Admin Torben Fritsche    17.4.2009, 11:59 Uhr  

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Bereits seit einigen Tagen lässt der deutsche Internetprovider T-Online bei Aufruf einer nicht erreichbaren Domain falsche DNS-Einträge an den Kunden senden. Nachdem bereits Ende letzten Jahres einige Anbieter die herkömmliche Fehlermeldung des Browsers mit eigens aufgeschalteten Fehlerseiten abgelöst haben, zieht T-Online nun mit der sogenannten Navigationshilfe nach.

Ruft ein Internetnutzer eine Adresse auf, die nicht mehr, noch nicht oder vorübergehend nicht vorhanden ist, so antworten die Server des Internetanbieters nicht mehr mit einer Fehlernummer, sondern senden dem Browser falsche DNS-Einträge und täuschen somit vor, die Seite läge auf einem Server von T-Online, wie zum Beispiel 62.157.140.133.

Fortan erscheint dem T-Onlinekunden eine Seite, die besagt, die angeforderte Adresse könne nicht gefunden werden. Weiter unten auf der Seite werden zudem Suchergebnisse angezeigt, die für die eingegeben Adresse relevant sein könnten. Wie diese Suchergebnisse zustande gekommen sind, wird allerdings nicht verraten, sodass darauf schließen könnte, dass T-Online an der Schaltung dieser Ergebnisse verdienen.

Wer diese Navigationshilfe nicht wünscht, kann sie über den gegeben Link im Kundencenter abschalten. Bis man dort jedoch unter den Menüs den richtigen Unterpunkt gefunden hat, wird es für ein Großteil der Internetnutzer schneller und einfacher sein, beim nächsten Mal die richtige Adresse einzutippen, zumal einige sicherlich ihre Zugangsdaten erst aus den Unterlagen heraussuchen müssten.

Quellen und weitere Informationen:
mein-parteibuch.com
teltarif.de

Kommentare/Trackbacks lesen

1) Admin skoch schrieb am 17.4.2009 um 13:02 Uhr:

Endlich weiß ich, was es mit der Seite auf sich hat. Allerdings hab ich keine Ahnung, welche Zugangsdaten wir bei T-Online haben, die sind schon seit Jahren im Router gespeichert und irgendwo bei meinem Vater in den Unterlagen gesichert. Werd ich wohl mal damit leben, ist meines Erachtens aber absolut unprofessionell.

Wenn ich jetzt irgendeine Domain anpinge, kommt immer eine Antwort. In meinem Fall vom Server 80.156.86.78. Erst mit whois [domain] erfahre ich dann, dass es solch eine Domain eigentlich gar nicht gibt.

Gibt es sonst noch Vorteile für T-Online außer, dass sie durch die Ergebnisseite Geld verdienen können? Irgendwie Vorteile durch scheinbar mehr Domains im eigenen Besitz?

2) Admin skoch schrieb am 17.4.2009 um 13:12 Uhr:

Da fällt mir ein, ich kann ja auch in Linux selbst vom Router abweichende DNS-Server einstellen (einfach in resolv.conf?), richtig? Hat jemand nen Vorschlag für bessere DNS-Server? Will nur meine alten 404-Seiten wiederhaben, ohne da am Anschluss der ganzen Familie was ändern zu müssen.

3) Xeco (reg) schrieb am 17.4.2009 um 13:23 Uhr:

1&1 hat doch auch mal eine Zeit lang nach der Einwahl als erste Seite (egal was man aufgerufen hatte) auf eine eigene "Startseite" umgeleitet. Das fande ich da noch viel schlimmer!

4) Dominic schrieb am 17.4.2009 um 15:47 Uhr:

Ich betreibe nun schon eine Weile lang im Heimnetz einen eigenen DNS Server (primär für die Namensumsetzung im eigenen lokalen Netzwerk, da auch das WLAN hier mit drin hängt), allerdings übernimmt dieser auch gleich jegliche DNS Requests, die vorher eben der Router der Telekom gemacht hat. Damit müsste sich das Problem doch auch gelöst haben.

5) Admin Torben Fritsche schrieb am 17.4.2009 um 16:22 Uhr:

Schreib mal hier, wenn du nachgeschaut hast, ob sich bei dir die Navigationshilfe aufruft oder die browsereigene Fehlermeldung.

6) Xeco (reg) schrieb am 17.4.2009 um 16:40 Uhr:

http://www.ccc.de/censorship/dns-howto/#dnsserver
OpenDNS eigenet sich nicht wirklich als Ersatz, weil die auch diese Fehlerseiten reindrücken.

7) Alex (realEuro) schrieb am 17.4.2009 um 19:54 Uhr:

Tach,
was soll das denn?
Ist mir gerade erst nach diesem Artikel aufgefallen.
Ist bei uns wahrscheinlich nich nicht so lange.
Die könnten so nachschauen, welche Domains viele Besucher haben und diese dann registrieren :-/ .
MfG, Alex.

8) Floppy schrieb am 17.4.2009 um 22:40 Uhr:

Diese Navigationshilfe hab ich schon vor einigen Tagen bemerkt. Es ist gut möglich, dass die im Zuge der Internetzensur eingerichtet wurde, zu der sich einige ISPs "freiwillig" verpflichtet haben. Die Zensur basiert ja auch (noch) auf DNS. Wenn man als Benutzer eine Seite aufrufen möchte, die vom BKA auf die Sperrliste gesetzt wurde, löst der DNS-Server die Adresse dann nicht mehr bzw. falsch auf.

Noch mal ein Tipp am Rande: Äußert euch doch mal zu wirklich aktuellen Themen, wie z. B. Vorratsdatenspeicherung, Internetzensur usw. Hier hab ich einen Webcast über die Internetzensur gefunden, den ich wirklich jedem empfehlen kann: http://chaosradio.ccc.de/cr142.html

Ps.: Dass ich Cookies aktivieren muss, um diesen Kommentar abzuschicken, find ich gar nicht toll, deshalb musste ich ihn noch mal schreiben...

9) Cross schrieb am 18.4.2009 um 07:56 Uhr:

Das Vorgehen von T-Online nennt man auch DNS-Hijacking ... da haben sich die Magenta-Jungs einiges bei den Phishing-Attacs abgeschaut ;-)
Übrigens verstößt die T-Online damit wohl gegen die "RFC standard for DNS (NXDOMAIN) responses". Doch vielleicht hat die T-Mobile nur bei der Umsetzung der Zensursula-Infrastruktur eine neue Cash Cow gefunden.
http://en.wikipedia.org/wiki/DNS_hijacking

10) SammysHP schrieb am 18.4.2009 um 14:01 Uhr:

Gibt's bei Alice auch schon lange Zeit und ließ sie im ersten Jahr gar nicht abschalten. Zwar war die Funktion implementiert, zeigte aber keinerlei Wirkung. Inzwischen funktioniert die Abschaltung aber fast immer.

11) Funatiker schrieb am 18.4.2009 um 15:03 Uhr:

Jetzt, wo es diese frewillige Zensurvereinbrung gibt, denkt man bei der Telekom wohl, DNS-Hijacking sei legal. Das ist einfach pervers.

Tipp:

sudo su && mv /etc/resolv.conf /etc/resolv.conf~ && (echo nameserver 94.75.228.29 && echo nameserver 87.118.104.203 && echo nameserver 87.118.100.175 && echo nameserver 62.141.58.13 && echo nameserver 85.25.251.254) > /etc/resolv.conf

geht ganz ohne Zugangsdaten. Es kann aber sein, dass dhcp-Nutzer in "/etc/dhcp3/dhclient.conf" den Request "domain-name-servers" entfernen müssen.

12) T-Onlinekunde schrieb am 20.4.2009 um 04:16 Uhr:


Kennt jemand folgendes Problem mit der T-Online "Navigationshilfe" ??
Das hatte ich öfter und mal ein Screenshot hiervon gemacht.


http://s1.image.gd/o/10/104d8d705b856c978a8b6bf12e578349 442a7e49.png

Es ist ziemlich lästig!

13) thorr (reg) schrieb am 20.4.2009 um 10:33 Uhr:

mh... versuch mal, die navigationshilfe abzuschalten und schau mal, ob das problem immer noch vorhanden ist.

14) m1234 schrieb am 13.6.2009 um 14:45 Uhr:

Das wirklich Dreiste ist, dass auch korrekte Webadressen geblockt werden. Nach wenigen Minuten funktioniert der Link (aus den bookmarks) dann plötzlich wieder...

Klar, der schnellere Weg zur gewünschten Seite führt über die freundlicherweise von T-Online herausgesuchten Links (die sich sowieso in meinen bookmakrs befinden)!

200 Puls hab ich....nicht erst gleich!!

15) lord_mogul schrieb am 15.6.2009 um 00:27 Uhr:

ich bin ja nichtmal kunde bei t-online.
ich hatte nur mal früher den t-online dsl-manager installiert.

und weil ich bei denen kein kunde bin, kann ich das auch nicht deinstallieren.
normal ist da immer besagte 404 seite gekommen.
ich finde das dreist. wenn das mit dem dsl-manager zusammen hängt, sollte das prob i-wi in meinem rechner sein...
aber wenn nicht....

16) W. Einstein schrieb am 23.7.2009 um 02:13 Uhr:

Ich wurde vor ein paar Wochen von T-Online genötigt ein Update zu machen, für den Router W 900V. Begründung technische Umstellungen machen es notwendig, für die 1600plus Leitung. Im nachhinein stelle ich fest, das gar nichts besser oder schnelle ist.
Aber dafür erfolgt jetzt eine Weiterleitung von nicht erreichbare Domains zu Werbeklicks von T-Online, die umgeleitet werden. Sogar Markennamen mit versehentlich vertippter Länderkennung werden auf Bezahlklicks von eingespeisten Google AdWords geleitet. Das ist Wettbewerbswidrig und Wettbewerbsverzerrung. Es ist gesetzlich Verboten im <Meta Head> Bereich sich mit fremden Federn zu schmücken. T-Online nutzt seine technische Marktstellung, um das mit Weiterleitungen zu umgehen und dabei jede Vorteilslastigkeit zu nutzen, dass ist die perfekte Cyber- Kriminalität. So spült sich ein Konzern Millionen in die Tasche auf Kosten der eigenen T- Online Kunden. Ein Skrupelloses Unternehmen, hier sind die Datenschützer und Aufsichtsbehörden gefordert zu handeln.

17) BPhoenix schrieb am 26.7.2009 um 02:23 Uhr:

Entweder kündigen (ich denke das alleine dürfte Grund genug sein) oder alternativen DNS Server nutzen (was ja zumindest "noch" nicht illegal ist).

Und hier Listen mit alternativen DNS Servern und Anleitungen wie man sie nutzt:
http://www.ccc.de/censorship/dns-howto/
http://gettoweb.de/ne tzwelt/alternative-dns-liste-gegen-zensur/
http://www.dns-liste.de/

18) Uli schrieb am 02.8.2009 um 11:57 Uhr:

Und jetzt das: Nutze Tor/Privoxy, Cookies abgeschaltet und keine Passwörter gespeichert. Dennoch kann mich das t-online Kundencenter identifizieren und schlägt direkt meinen Login-Namen vor....

19) Uli schrieb am 02.8.2009 um 12:03 Uhr:

OK, auch das lässt sich im Kundencenter abschalten. Netzausweis. Echt spannendes Thema...