Bald auch Domainendungen mit chinesischen Schriftzeichen Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, kurz ICANN, hat am 30. Oktober über „die größte technische Änderung für das Internet seit seiner Erfindung vor 40 Jahren“ entschieden. So beschrieb der Vorsitzende des ICANN-Verwaltungsrats Peter Dengate Thrush das Ermöglichen von kompletten Domains in nicht-lateinischen Schriftzeichen. Da das System zur Auflösung von Domainnamen (DNS) den ASCII-Zeichensatz verwendet, der jedoch nur lateinische Schriftzeichen enthält, konnten Top-Level-Domains (TLDs) bislang keine arabischen, chinesischen oder kyrillischen Schriftzeichen enthalten. Dabei nutzen mit 1,6 Millionen mehr als die Hälfte der Internetnutzer eigentlich eine andere als die lateinische Schrift. Anders als ASCII enthält der Unicode-Zeichensatz nahezu alle weltweit vorhandenen Zeichen. Um diesen für Domainendungen heranziehen zu können, soll die Domain nun in zwei Durchläufen in die zugehörige IP-Adresse übersetzt werden. Enthält sie nicht-lateinische Schriftzeichen, wird sie zunächst von Unicode in ASCII übertragen und anschließend aufgelöst. Das Verfahren zur Genehmigung solcher Top-Level-Domains könne sofort eingeleitet werden, erklärt ICANN-Präsident Rod Beckstrom. So sollen erste Domains Mitte 2010 registrierbar sein. Getestet sei die neue Technik schon seit einigen Jahren worden, sodass sie nun ohne Bedenken eingeführt werden könne. Kritiker jedoch sehen die Entwicklung kritisch. Sie gefährde die Internationalität des Internets und Auswirkungen seien noch nicht vorhersehbar.
Kommentare/Trackbacks lesen1) Stefan Koch schrieb am 07.11.2009 um 20:05 Uhr:
Klingt einerseits spannend, führt allerdings bestimmt wieder zu seltsamen TLDs, die man eigentlich über Subdomains realisieren sollte.
.서울(Seoul)
.東京 (Tokyo)
"Kritiker jedoch sehen die Entwicklung kritisch. Sie gefährde die Internationalität des Internets und Auswirkungen seien noch nicht vorhersehbar."
Dachte ich anfangs auch, sehe ich inzwischen aber nicht mehr so. Unicode sollte zum Standard werden und damit lesbar sein (kA, ob man bei Windows7 auch noch Support für ostasiatische Zeichen extra aktivieren muss...). Und schreiben wollen die URLs eh nur diejenigen, die die zu genüge Sprache kennen und daher auch eine Eingabemethode dafür besitzen.
Hoster, die auch englische Übersetzungen anbieten, werden ziemlich wahrscheinlich die ASCII-Domains benutzen. | 2) Stefan Koch schrieb am 07.11.2009 um 20:10 Uhr:
Hust, soviel zu "Unicode sollte Standard sein". Bei nexem ist dies wohl leider nicht der Fall...
Ich sehe Unicode übrigens als eine stärkere Internationalisierung des Internets an. Also eher gegenteilig zur bisherigen Entwicklung, denn bisher ist das ganze - wie so vieles auf der Welt - euroamerikazentrisch. Die asiatischen Länder haben wie fast immer Nachteile. | 3) NCC1701 schrieb am 07.11.2009 um 21:04 Uhr:
Das ist mit abstand die dämlichste Idee die jemals von ICANN kam unmlaut ok nicht schön aber man kann den sinn dahinter noch verstehen zudem kenne ich fast keine Webseite die nicht auch mit der Umschreibung erreichbar ist. Jeder auf der Welt hat im Internet schon mal ein Ö gesehen und kann damit was anfangen. Aber Chinesische Zeichen?
Benachteiligung ? Sehe ich nicht "unser" zeichencode ist nunmal die Vorherschenden Sprache auf der Welt, Europ, Amerika, Australien selbst viele Chiniesische Seiten schrieben in unserem Zeichencode. Zudem sind auf allen Chinesischen Tastaturen unsere Zeichen abgedruckt anders herum jedoch nicht was warscheinlich auch nicht so den sinn machen würde... | 4) Torben Fritsche schrieb am 07.11.2009 um 21:48 Uhr:
Die Einführung aller Zeichen der Welt als Internationalisierung anzusehen, ist ein Argument. Allerdings muss man sich da vorher klar machen, wie man Internationalität denn definiert. Sollen alle Menschengruppen der Welt untereinander komfortabel das Internet nutzen können oder soll das gesamte Internet von allen Menschen der Welt genutzt werden können? Wenn man letzteres annimmt, dann geht man eindeutig in die falsche Richtung.
Wer die schwierigere Schriftsprache hat, muss nunmal damit leben, dass sie nicht international anerkannt werden kann. Genauso leben wir damit, dass Deutsch nicht international anerkannt ist. | 5) Parn schrieb am 08.11.2009 um 01:31 Uhr:
Ich sehe da überhaupt kein Problem. Wie Stefan schon sagte: Niemand der nicht der entsprechenden Sprache mächtig ist würde auf die Idee kommen eine URL mit chinesischen (o.ä.) Schriftzeichen einzugeben. Weiterhin sollte Unicode auch meiner Meinung nach Standard werden.
Die Chinesen haben eine schwierigere Sprache als wir, also müssen sie sich anpassen? Wenn dieses Argument wirklich berechtigt wäre, dann müssten wir uns auch den Engländern/Amerikanern anpassen.
"Jeder auf der Welt hat im Internet schonmal ein Ö gesehenund kann damit was anfangen."? Das bezweifle ich. Und selbst wenn: Auf welcher nicht deutschen Tastatur sind bitteschön deutsche Umlaute zu finden? Auf den Amerikanischen jedenfalls nicht und die werden von einem nicht unerheblichen Teil der Internetnutzer verwendet.
Also entweder muss man die deutschen (und evtl. andere vorhandene) Umlaute in URLs wieder komplett verbieten oder aber auch anderen Nationen die Gelegenheit geben ihre Zeichen zu verwenden. Ich bin da eher für letzteres aus bereits ganz oben angeführtem Grund. Weiterhin wird es auch ohne Chinesische Zeichen auf der Tastatur möglich sein entsprechende URLs über Links oder Lesezeichen aufzurufen.
Die großen und internationalen Firmen, die dann so eine URL besitzen würden, werden sicher nicht ihre alte Domain aufgeben, sind also weiterhin über den lateinischen Schriftsatz erreichbar. | 6) Torben Fritsche schrieb am 08.11.2009 um 09:41 Uhr:
Chinesische Schriftzeichen und Umlaute sind schon ein Unterschied - letztere gehören nämlich ebenfalls zur lateinischen Schrift und jeder weiß, was sie bedeuten und wie man sie umschreibt, aber bei chinesischen Schriftzeichen bin ich aufgeschmissen.
"Wenn dieses Argument wirklich berechtigt wäre, dann müssten wir uns auch den Engländern/Amerikanern anpassen."
Das haben wir schon längst. Umlaute gibt es ubrigens bei weitem nicht nur in der deutschen Sprache. | 7) Stefan Koch schrieb am 08.11.2009 um 10:37 Uhr:
"jeder weiß, was sie bedeuten und wie man sie umschreibt"
Kann ich nicht bestätigen und ich habe desöfteren mit Ausländern zu tun, die Deutsch lernen. Manche schreiben das auf ihrer Tastatur fehlende ö dann einfach als o, manche schreiben o" (wie es in TeX meines Wissens auch funktioniert, neben der einfachen Eingabe von ö) und "oe" sieht man auch manchmal.
Weiterhin muss ich negieren, dass wir uns alle dem englischen anpassen müssten, wenn man die einfachste Sprache erlernen würde. Englisch hat sich meines Erachtens eher deshalb durchgesetzt, weil die Welt auf die USA fixiert ist. Englisch an sich ist von der Aussprache her schon eine absolut unlogische Sprache.
Man sehe sich nur einmal die Aussprache von ou in folgenden Wörtern an:
though
ought + thought
you
Gerade bei "though" und "ought / thought" finde ich es sehr verwunderlich, dass nur das T am Ende des Wortes solch einen gewaltigen Unterschied macht. Es dürfte allerdings noch weitaus bessere Beispiele geben, wo die Aussprache noch verworrener ist.
Da gibt es von der Aussprache her wesentlich logischere Sprachen, z.B. das Japanische.
Im Übrigen hat das Chinesische (und natürlich auch das Japanische) - auch wenn es anfangs schwieriger zu erlernen ist - einen Vorteil der allen westlichen Sprachen fehlt. Wenn man einmal die Zeichen kann, dann ist es kein Problem auch Wörter zu verstehen, die man bisher noch nicht kennt. Man kann nämlich aus den Bedeutungen der einzelnen Schriftzeichen die Bedeutung ableiten.
"Weiterhin wird es auch ohne Chinesische Zeichen auf der Tastatur möglich sein entsprechende URLs über Links oder Lesezeichen aufzurufen."
Geht auch so, wenn man denn Willens ist, mit Chinesisch umzugehen. Ich persönlich kann jetzt nicht für Chinesischen sprechen, aber bei Eingabemethoden für westliche Tastaturen für Japanisch und Koreanisch ist es so, dass man einfach die entsprechende Aussprache eingibt.
Beispielsweise "seo - ul" für die beiden Zeichen von Seoul (man muss die Leertaste dazwischen drücken, weil sonst das U im vorderen Zeichen wäre). Beim Japanischen tippt man ebenso die Aussprache des Wortes ein und kriegt deine eine Liste mit Vorschlägen für Schriftzeichen. Gibt man z.B. "kaeru" ein, dann erscheinen u.a. die Möglichkeiten für "zurückkehren" und "kaufen können".
Auf japanischen Tastaturen tippt man die Aussprache natürlich direkt in deren Zeichen ein. Da gibt es dann z.B. drei Tasten für "ka", "e", "ru".
Eigentlich will ich aber nur darauf hinweisen, dass wir ständig von Amerika und den USA aus denken und Asien vollkommen außer Acht lassen. Es ist korrekt, dass auf deren Tastaturen auch unsere lateinischen Zeichen abgedruckt sind, trotzdem ist die Umschrift immer nur eine Notlösung und führt in manchen Fällen auch zu Kuriositäten:
"Shī Shì shí shī shǐ"
"Die Geschichte des Shi, der Löwen isst"
http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%B6wen-essender_Dichter_in_der _Steinh%C3%B6hle
In Chinesischen Schriftzeichen vollkommen leserlich, in lateinischer Umschrift absolut unmöglich.
Außerdem steht ja schon im Artikel: "Dabei nutzen mit 1,6 Millionen mehr als die Hälfte der Internetnutzer eigentlich eine andere als die lateinische Schrift." | 8) NCC1701 schrieb am 14.11.2009 um 22:00 Uhr:
Mag ja sein das 1,6 Millionen nicht unsere Schrift haben aber das ist doch wurscht. Internet ist International auf irgendwas müssen wir uns einigen. Man hätte auch eine komplett neue Sprache erfinden können für das Netz aber was hätte es gebracht? Das sich jeder umstellen muss... Da das Internet ne US erfindung ist war es nun mal so das man unseren Zeichensatz verwendet hat.
Die behauptung das niemand auf ne Chinesische Seite will weil dort eh nur Chinies gesprochen wird halte ich für falsch. Ich betreibe ne Deutsche Seite die nur auf Deutsch ist trotzdem sind 60% meiner besucher aus den USA.
Das mit dem Löwen ist meiner ansicht nach ein übersetzungsfehler und hat so eigentlich nix mit der einführung von Schriftzeichen in das DNS System zu tun.
Ich bin der festen überzeugung das uns die ö usw schon oft ins Teufels küche geführt haben. Das jetzt auch noch ander schriftzeichen dazukommen wird uns in spätestens 10 Jahren ganze neue Abgründe aufzeigen was das Internet angeht. Die neuen Schriftsätze die tausenden neuen Domainendungen ... Ich denke das wir dann das reinste kaos haben in dem sich kein Mensch mehr auskennt.. | 9) Stefan Koch schrieb am 14.11.2009 um 22:57 Uhr:
"Ich betreibe ne Deutsche Seite die nur auf Deutsch ist trotzdem sind 60% meiner besucher aus den USA."
Richtig, die Sache ist allerdings die: Deine Besucher können Deutsch. Wer Chinesisch kann wird zwangsläufig auch irgendwie eine Eingabemethode nutzen, weil er sonst nichts schreiben kann ;-) Insofern kann er dann auch wieder Zeichen tippen.
"Das mit dem Löwen ist meiner ansicht nach ein übersetzungsfehler und hat so eigentlich nix mit der einführung von Schriftzeichen in das DNS System zu tun."
Übersetzungsfehler? Das ist eine Demonstration von Chao Yuen-Ren, was man mit der Aussprache so anstellen kann. Die Aussprache unterscheidet sich lediglich von der Tonhöhe her, die Schriftzeichen jedoch sind komplett unterschiedlich und gut zu lesen. |
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