AOL verkauft ICQ

Internet   Admin Funatiker    23.11.2009, 22:18 Uhr  

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Für 300 Millionen $ will AOL den Sofortnachrichtendienst ICQ verkaufen. Das Unternehmen plant eine Konzentration auf das aus dem Anbieten von Inhalten auf Internetportalen bestehende Kerngeschäft. Der Sparkurs besteht außerdem aus dem Entlassen von 2.500 Mitarbeitern. AOL reagiert damit auf ein schlechtes Quartalsergebnis, das auf den schwächer werdenden Werbemarkt zurückzuführen ist.

Quelle: golem.de

Kommentare/Trackbacks lesen

1) Admin Stefan Koch schrieb am 23.11.2009 um 23:01 Uhr:

ICQ wird sich auf lange Sicht tatsächlich nicht behaupten können. Proprietäre Projekte gehen mir der Zeit immer unter, insofern ist ein frühzeitiger Verkauf sicherlich nicht schlecht.

2) blub? schrieb am 23.11.2009 um 23:28 Uhr:

Vorallem wenn man Mircosoft protokolle verwendet

3) BPhoenix schrieb am 24.11.2009 um 17:52 Uhr:

So, gehen sie? Windows gibts immer noch, Adobe hat sozusagen ein Monopol, ganz davon zu schweigen dass der MSN Messenger der meist genutzte auf der ganzen Welt ist (nicht in Deutschland)...

Naja die Aussage, dass proprietäre Projekte zwangsläufig untergehen halte ich doch für ziemlich falsch, da es den Otto Normal oder Möchtgern irgendwas nicht interessiert ob, das was er verwendet offen oder geschlossen ist. Ganz im Gegenteil die allermeisten interessiert das was den größten Anteil besitzt.

Frag nur mal die ganzen Leute die NVidia, Intel, Windows, Adobe, Internet Explorer oder sonst was nutzen, bei den meisten ist das Argument dass es das beste ist weil es die meisten Nutzen, was wiederrum jedoch Blödsinn ist...

Aber ich finds lustig, dass sie ICQ erst aufgekauft haben und nun versuchen wieder los zu werden. Wie viel hat denn damals eigentlich der Einkauf von ICQ gekostet?

Aber ich denke hier geht es weniger darum, dass zu wenig Leute es nutzen sondern, dass AOL nicht genug Geld damit machen kann. Wahrscheinlich zum Teil auch wegen den Leuten, die die Werbung unterdrücken.

Was meinst du mit Microsoft Protokolle verwendet? Dir ist hoffentlich klar dass es ICQ Jahre vorher gab, bevor Microsoft überhaupt auf die Idee gekommen ist etwas vergleichbares zu machen?

4) DJH schrieb am 24.11.2009 um 19:15 Uhr:

Was mich eher interessiert:
1. an wen
2. was machen die mit den Daten?

Aber gut… viel schlimmer als bei AOL können die Daten wo anders ja auch net aufgehoben sein XD

Nur mal ernsthaft: Wer hätte bitte Interesse daran, ICQ zu kaufen? Microsoft? Nie! Google? Nope! Jetz wurde grad Skype halb verkauft – wer will bitte noch ICQ? Zudem das Protokoll offenbar inzwischen n rechtes Gefrickel is… einträglich is das sicherlich net. Wenn, dann müssten se ihre AGB brutal durchsetzen (sprich, alternative Clients bannen), um auf volle Werbeeinnahmen setzen zu können – aber das kostet auch erstmal Investitionen, und es könnte ne Abwanderungslawine auslösen. Ich kann mir also ehrlich net vorstellen, wer annähernd Interesse dran haben könnte, ICQ zu kaufen…

5) phantom schrieb am 24.11.2009 um 21:49 Uhr:

Ja leider nutzen immernoch viel zu viele Leute ICQ trotz der AGBs. Aber wer liest auch schon AGBs. Würden meine Freunde sich mal alle nen Jabber Account zulegen, so würde ich auch keine Transports mehr nutzen.

6) BPhoenix schrieb am 24.11.2009 um 23:44 Uhr:

Jabber ist nicht die Lösung aller Probleme!

Stell dir vor einer der beiden Gesprächspartner nutzt einen GMX Jabber Account und der andere einen Google Jabber Account und beide wollen nun miteinander sprechen. In dem Fall würden die Nachrichten sowohl über den GMX als auch über den Google Server laufen. So dass der Datenschutz beider Anbieter einen trifft auch wenn man z.B. nur mit einem von beiden einverstanden ist. Und gerade Google ist in meinen Augen deutlich bedenklicher als z.B. ICQ...

Dennoch bezweifel ich sehr stark, dass ICQ in nächster Zeit untergeht und schon gar nicht andere Dienste die ähnlich bedenklich sind wie zum Beispiel der MSN Messenger.

Das mit Jabber funktioniert nur wenn beide Gesprächspartner eigene Server oder zumindest Server denen sie vertrauen nutzen. Im Gegensatz zu ICQ wäre das aber problemlos möglich...

DJH, wieso sollte Google oder Microsoft ICQ nicht aufkaufen? Etwa weil sie selber einen solchen Dienst haben? Hmm das muss noch lange nichts heißen, da man gerade dann erst Recht Konkurrenten aufkauft, denn so könnte man seinen Marktanteil schlagartig enorm steigern (gerade Google dürfte das wahrscheinlich interessieren)! Sowas ist in der ganzen Industrie gang und gäbe.

7) Admin Stefan Koch schrieb am 26.11.2009 um 16:40 Uhr:

@BPhoenix:
Ich denke da auf langfristige Sicht, außerdem dachte ich stärker an Protokolle als an Software. Während die proprietären Protokolle einer Firma gehören und mit dieser untergehen (außer jemand kauft sie teuer ab), kann ein offenes Protokoll jederzeit von einer anderen Gruppe implementiert oder weiterentwickelt werden.

8) Admin Stefan Koch schrieb am 26.11.2009 um 16:55 Uhr:

Zu Google:
Ich bin auch ein Stück weit vorsichtig mit Google, aber Daten werden dort generell nur automatisiert ausgewertet. Google will für jedes Problem eine automatische Lösung finden, auch wenn es manuell vielleicht im speziellen Fall einfacher wäre.
Auch ist es Google generell egal, wer man im RealLife ist. Wenn sie es wissen, ist es für sie in Ordnung, wenn nicht, dann auch: Google braucht lediglich die Online-Identität, um passende Werbung anzeigen zu können.

Allerdings muss man sagen, dass es bereits mit einer relativ kleinen Referenzmenge an Informationen möglich ist, auf eine echte Person zurückzuschließen. Google hat da viel mehr Daten zur Verfügung, die Frage ist nur, wie es sich entwickelt. Google selbst erhebt ja den Anspruch "Tu nichts Schlechtes" und will die Welt verbessern. Mit der Einführung einer zensierten Suchmaschine in China (google.cn) gab es da alledings schon relativ früh Kritik. Wobei man sagen muss, dass Google kurz zuvor der amerikanischen Regierung noch die Herausgabe von Nutzerdaten verweigert hat, und somit einen positiven Beitrag zur Privatsphäre der Nutzer getan hat.

9) Admin Funatiker schrieb am 27.11.2009 um 17:05 Uhr:

Es ist die Frage, ob man den ICQ-Verkauf als Chance oder Gefahr sehen sollte. ICQ besitzt im Moment eine ganze Menge Daten, die AOL sich über die AGB erschlichen hat. Allerdings ist mir noch kein Fall bekannt, in dem die Daten den Besitzer gewechselt haben. Es sind zwei Extremfälle möglich:
1. Ein übler Datenhändler kauft ICQ samt Daten, betriebt den Dient wie gehabt weiter und sammelt weiterhin Daten.
2. Der Käufer öffnet ICQ für XMPP/Jabber und schafft jede Form von Datensammlung ab. Bislang erhobene Daten werden unwiderruflich gelöscht.

Ich habe 2. schon lange als Ideallösung vorgeschlagen. Mit dem Verkauf wird das Szenario wahrscheinlicher. Dennoch befürchte ich eher, dass 1. eintritt.

10) Admin Stefan Koch schrieb am 27.11.2009 um 20:19 Uhr:

@Funatiker: Stimmt gerade, dass eine böse Firma die Daten kaufen könnte, ist eine große Gefahr. Das wurde u.a. auch in einem Buch über Google als dortige Gefahr erwähnt. Dass Google selbst zwar bisher aufpassen muss, um das Vertrauen nicht zu verlieren (daher können sie nicht zu viel verbinden, obwohl es möglich wäre), aber die Daten in fremden Händen eine extreme Gefahr wären.

Das trifft hier bei ICQ ja wirklich zu (nur nicht ganz so extrem), hab ich noch gar nicht überlegt... Hoffen wir, dass es zumindest ein Anbieter ist, der die Daten nicht missbraucht. Ich glaube Lösung 2 kann man kaum erhoffen.

11) DJH schrieb am 28.11.2009 um 00:57 Uhr:

@BPhoenix:
Ich kann mir ja wo anders auch nen Jabber-Acc anlegen :D Aber ich weiß, es is hart, einigen (vielen) Leuten zu erklären, warum sie denn überhaupt Jabber verwenden könnten :)

Und ja, ich glaube der Kauf rentiert sich nicht, wenn man schon ein eigenes Protokoll erfolgreich am Laufen hat. Wobei ich mir hier sogar erstmal selber widersprechen muss, denn AOL hatte ja beim ICQ-Kauf auch ein eigenes Protokoll. Aber das war damals eben noch net so weit verbreitet, wie z. B. MSN heute. Google hätte die Möglichkeit, aber ich sehe den Nutzen für Google net; die entwickeln mit WAVE grad was, was technologisch Jahrzehnte weiter ist :D
Dennoch, klar: Wenn man sagt: OK, wir übernehmen nur den Login, und lassen den Rest über unser eigenes Protokoll laufen – dann wäre der Kauf plausibel. Aber so einfach umzusetzen is das auch net (clients patchen!)

Aber so wies aussieht wird ICQ eh erstmal als eigenständige Firma ausgegliedert. Quasi: Hauptsache weg :D

12) BPhoenix schrieb am 28.11.2009 um 02:06 Uhr:

Klar kannst du andere Jabber Accounts anlegen aber du kannst nicht bestimmen wo dein Gesprächspartner einen anlegt und das ist das Problem bei Jabber. Bei Jabber ist meistens mehr als nur eine Firma beteiligt der man trauen muss. Dadurch wird die potenzielle Gefahr auch meist verdoppelt. Außerdem hat man hier wie ich bereits schrieb meist mit Firmen zu tun obwohl man dort selbst keinen Account haben muss!

Der Aufwand ICQ mit Jabber zu koppeln dürfte relativ gering sein. Es würde einfach reichen, wenn man den aktuellen Server nutzen würde und zusätzlich noch das XMPP Protokoll dazuentwickeln (oder im Falle Google das vorhandene nur anpassen) würde. Dann würden sowohl die alten Clients alle tun als auch Jabber Clients. Das größte Problem würden wahrscheinlich die UINS darstellen. Man müsste nur noch die bisherigen UINS als @icq.com für alle Jabber Nutzer verfügbar machen und zusätzlich das eingeben von @irgendwas UINS erlauben, wobei letzteres seit dem Zusammenwachsen von ICQ und AIM kein Problem sein dürfte, da die UINS sowieso als Strings vorliegen und nicht wie früher in ICQ als Zahl. Der ICQ Server müsste hier dann einfach nur eine richtige Zuordnung treffen. Der Aufwand wäre wahrscheinlich mit dem Aufwand der Programmierung eines Transport vergleichbar, wenn nicht gar geringer da man direkten Zugriff hat.

Und von Wave halte ich persönlich ohnehin herzlich wenig...
Nur weil etwas vielleicht neu ist, ist es deswegen noch lange nicht gut oder gar besser, egal wie viele Jahre du glauben magst, dass es in der Zukunft liegen soll...
Abgesehen davon, dass nicht alles nur positive Wirkungen hat und man vielleicht nicht alles technisch mögliche auch machen oder nutzen sollte besonders nicht hirnlos!

Und wenns um das übernehmen geht, denke ich einfach dass du das ausschalten von Konkurenz oder das gewinnen von Marktanteilen extrem unterschätzt! Andere Firmen haben schon deutlich mehr investiert um kleinere Fortschritte zu erzielen.

Ein gutes Beispiel, dass sowas eben nicht abwegig ist, nanntest du bereits. Das ganze wäre vergleichbar mit damals, als AOL ICQ aufkaufte obwohl sie ihren eigenen Messenger hatten. Damals war der Marktanteil von AOL in dem Bereich sicher sogar größer als der von Google heute und dennoch hat AOL damals über 400 Millionen gezahlt und nicht wie jetzt verlangt wird nur 300 Millionen.

Der Spruch mit dem "tu nichts böses" um die Welt zu verbessern ist sowieso ziemlich lustig. Steht denn nicht in der Bibel sowas wie "Liebe deinen nächsten Nächsten" und ist es nicht das Ziel von Religionen auch die Welt zu verbessern? Und wird denn nicht meist von den selben Leuten die danach leben anderen Leid angetan? Gerade an das mit der Religion glaube ich nicht so richtig aber einer Firma wie Google, die nur auf Profit aus ist, soll ich glauben, wenn sie gut klingende aber vollkommen bedeutungslose Phrasen von sich gibt?

Abgesehen davon, dass selbst wenn sie krumme Dinge machen, sowas mit Sicherheit nicht an die große Glocke hängen und somit mit hoher wahrscheinlichkeit niemals aufgedeckt werden würde oder wenn dann erst recht spät und selbst wenn es rauskommt es Mittel gibt damit sowas keinen Schaden anrichtet.

Funatiker wieso sollte 2. eine Abschaffung von Datensammlung bedeuten? Nur weil man ein offenes Protokoll nutzt? Das ist Blödsinn! Ich denke, dass keine Organisation die sich den Preis leisten kann sich die Daten die ICQ besitzt entgehen lassen würde auch selbst wenn ein offenes Protokoll genutzt werden würde...

13) Admin Stefan Koch schrieb am 28.11.2009 um 21:58 Uhr:

@BPhoenix: Der Schlag gegen Religionen ist meines Erachtens zu kurzsichtig. Oft werden die Religionen auch nur als Vorwand und Begründung benutzt, obwohl die Gründe eigentlich weltliche sind. Es mag dazuhin auch ein paar Fundamentalisten geben, die ihre eigene Religion als richtig ansehen und den anderen Menschen schaden wollen.

Ich denke allerdings, dass die meisten Menschen doch nach einem Grundsatz leben wollen, anderen zu helfen. Die einen schaffen das besser, die anderen schlechter. Allerdings unterstelle ich den wenigsten Menschen direkt böse Absichten, und auch bei Religionen denke ich, dass sie durchaus positive Aspekte in gemeinsames Leben bringen.

In Taizé gibt es z.B. jedes Jahr ein großes Treffen [1], bei dem sich 200.000 Menschen verschiedener Nationalitäten treffen. Etwas schade finde ich, dass das Ganze christlich begründet ist, aber ich denke, dass durchaus auch andere Leute teilnehmen dürfen. Trotzdem sorgt dieses Fest auf jeden Fall für internationalen Austausch, was ich sehr gut finde.

Manche Leute gehen auch zur Religion, wenn sie aus einem Problem keinen Ausweg mehr sehen. Auch hier finde ich es sinnvoll, wenn sie in der Religion neuen Halt finden, denn anschließend können sie auch wieder anderen Menschen helfen.


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Communaut%C3%A9_de_Taiz%C3%A9

14) BPhoenix schrieb am 29.11.2009 um 05:34 Uhr:

Eigentlich gibst du mir ja mit deinem Kommentar sogar recht. Und zwar dass es eben den Mensche eher besser und eher schlechter gelingt und nicht dass es ihnen immer gelingt und somit eben auch von solchen Leuten die gutes tun wollen, eben schlechtes getan wird.

Das was ich sagte war dazu gedacht zu zeigen wie sinnlos es ist anhand eines einfach nur gut klingenden Spruches auf die Absichten oder letztenendes die Taten zu schließen. Und selbst wenn die Absichten eher gut sind müssen es die Taten noch lange nicht sein, zudem hat jeder eine andere Ansicht von "Gut" und "Böse".

Der größte Teil deines Kommentars hat jedoch weder mit dem Thema zu tun noch mit dem was ich gesagt habe.

15) Admin Stefan Koch schrieb am 29.11.2009 um 10:34 Uhr:

"Und zwar dass es eben den Mensche eher besser und eher schlechter gelingt und nicht dass es ihnen immer gelingt und somit eben auch von solchen Leuten die gutes tun wollen, eben schlechtes getan wird."

Bitte näher spezifizieren, wen du hier wann ansprichst. So ist mir das zu undurchsichtig und klingt sehr pauschalisiert.


"Das was ich sagte war dazu gedacht zu zeigen wie sinnlos es ist anhand eines einfach nur gut klingenden Spruches auf die Absichten oder letztenendes die Taten zu schließen."

Man kann aber genrell auf die Mentalität von den Urhebern schließen. Wenn ich sage "human knowledge belongs to the world" (Film: Startup), dann kann man daraus auch schließen, dass ich dem OpenSource Gedanken folge. Ob ich das letztlich mit jeder Tat mache, muss näher analysiert werden. Allerdings habe ich auch ein Beispiel aufgeführt, bei dem Google eben nicht unbedingt positiv gehandelt hat. Trotzdem sollte man auch die guten Aktionen und den Gewinn für die Nutzer nicht vergessen.

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